über uns - Geschichte
„Tuitsnatuits“ – Burgenländisch-Hianzische Gesellschaft
Das Burgenland ist ein Land der Vielfalt – sprachlich, kulturell und historisch. Die Kroaten, Ungarn und Roma wurden als Volksgruppen anerkannt und erhielten institutionelle Unterstützung. Doch eine große Gruppe blieb lange unberücksichtigt: die deutschsprachigen Hianzen, deren Dialekt tief in der burgenländischen Identität verwurzelt ist. Trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke fehlte es viele Jahre an einer landesweiten Organisation, die ihre Anliegen bündelte und sichtbar machte.
Diese Lücke musste geschlossen werden. 1996 war die Zeit reif für eine überparteiliche, kulturell engagierte Vereinigung, die sich dem hianzischen Dialekt und der burgenländischen Volkskultur widmet. Mit DDr. Erwin Schranz und Mitstreitern wie Mag. Alois Heiling, Prof. Dr. Walter Dujmovits, Prof. Mag. Dietmar Ulreich und Hans Piff wurde die Burgenländisch-Hianzische Gesellschaft ins Leben gerufen.
Am 22. November 1996 – bewusst gewählt zum Jubiläum „75 Jahre Burgenland bei Österreich“ – fand die Gründungsveranstaltung im Kulturzentrum Oberschützen statt.
Die Vereinsarbeit begann in einem kleinen Büro am Gottlieb August Wimmer-Platz 1 in Oberschützen. Mit Veranstaltungen, dem ersten Hianzntog 1997 im Freilichtmuseum Bad Tatzmannsdorf und dem jährlich erscheinenden Hianznkalender, später dem Hianznbiachl, wurde ein lebendiges kulturelles Programm etabliert, das zum Aushängeschild des Vereins wurde und viele Burgenländerinnen und Burgenländer inspirierte, selbst zur Feder zu greifen.
Doch wir wollten mehr: eine dauerhafte kulturelle Einrichtung, ein Dialektinstitut mit Veranstaltungsräumen, ein Zentrum für Forschung, Dokumentation und Begegnung. Die Idee eines „Grenzüberschreitenden Dialektinstituts“ nahm Gestalt an.
Nach intensiven Verhandlungen entschied sich der Vorstand für das Heimathaus Simon in Oberschützen als Standort – ein traditioneller Streckhof mit Geschichte und Charme. Der Kauf des Gebäudes und angrenzender Grundstücke wurde eingeleitet, der Museumsverein Oberschützen gegründet und eine enge Kooperation mit dem Volksliedwerk vereinbart. Gemeinsam wurde ein kulturelles Netzwerk geknüpft, das bis heute trägt.
2001 erfolgte der Spatenstich. Die Sanierung des Altbaus und der Neubau unseres grenzüberschreitenden Dialektinstituts wurde mit finanzieller Unterstützung des Landes, durch Kräfte der Arbeitsmarktverwaltung und unserer Vereinsmitglieder bewerkstelligt. Unvorhergesehene Zusatzarbeiten bei der Sanierung des Altbaues mussten durch einen Baukredit finanziert werden.
Durch Veranstaltungen, Buchprojekte und kluge Organisation konnte der Verein auch diese finanziellen Herausforderungen meistern.
Am 5. Oktober 2003 wurde das „Haus der Volkskultur“ feierlich eröffnet – ein Meilenstein für die burgenländische Volkskultur. Es beherbergt seither das Dialektinstitut, das Volksliedwerk und den Museumsverein mit der Volkskundesammlung Simon sowie eine Dokumentation des Schulgründers Gottlieb August Wimmer.
Unser Haus entwickelte sich in den Folgejahren rasch zu einem lebendigen Zentrum. Es bietet ein breit gefächertes Spektrum an Aktivitäten und Formaten, das sich in mehreren Themenfeldern entfaltet und kontinuierlich weiterentwickelt:
Wissenschaft & Bildung
- Wissenschaftliche Symposien zu sprachlichen und volkskundlichen Themen
- Bibliothek mit umfangreicher Sammlung zu burgenlandbezogener Sprache und Volkskunde
- Schulprojekte zur Förderung regionaler Identität und kreativer Ausdrucksformen
- Schreibwerkstatt für literarische Experimente und dialektale Texte
- Laufende Publikationen und Lesungen
Kunst & Kreativität
- Kunstforum mit jährlich wechselnden Akzenten – stets mit burgenländischen Künstlerinnen und Künstler im Mittelpunkt
- Kinderatelier, in dem Kinder spielerisch mit Materialien, Werkzeugen und Techniken experimentieren
- Audiogeschichten, die regionale Erzähltraditionen neu beleben
Dokumentation & Forschung
- Burgenländische Brauchdatenbank als lebendiges Archiv regionaler Traditionen
- Unterstützung bei Masterarbeiten und Dissertationen
Austausch & Vernetzung
- Interkultureller Dialog über Landesgrenzen hinweg
- Jährliche Studienreisen mit thematischem Fokus
- Vielfältige Veranstaltungsformate im Jahresverlauf – von Festen bis zu Fachgesprächen
- Präsenz in den sozialen Medien zur digitalen Teilhabe und Vernetzung
Heute, 30 Jahre später, ist der Hianzenverein mehr als ein Verein. Er ist Plattform, Ansprechpartner, Impulsgeber. Er ist Archiv und Bühne, Denkwerkstatt und Wohnzimmer. Er ist ein Ort, an dem Sprache nicht nur bewahrt, sondern gelebt wird. Ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft einander die Hand reichen.